Wöchentlich stellt sich Frank Piwecki den Fragen seines Teams, seiner Unterstützer*innen und auch Ihren Fragen, wenn Sie uns diese mitteilen. Schreiben Sie uns gerne an!

Jede Woche donnerstags werden die Antworten auf dieser Homepage veröffentlicht.

Nico: Lieber Frank, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, einige unserer Fragen zu beantworten. Kommen wir auch gleich zu ersten: Heute jährt sich der Arbeiteraufstand in der DDR. Was geht dir zu diesem Jubiläum durch den Kopf?

Frank: Na gut, oberflächlichen Smalltalk habe ich bei den Fragen also nicht zu erwarten. (lacht)

Wenn wir uns den 17. Juni 1953 aber mal genau anschauen, fällt auf, dass hier die Unterdrückung der Arbeiterschaft als Initialzündung für einen Aufstand gegen ein verbrecherisches Regime wirkte. Wir haben in der Bundesrepublik einen funktionierenden Rechtsstaat, ein gutes Sozialsystem, aber wenn Steuergerechtigkeit hart erkämpft werden muss, Tarifbindung sinkt und die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, müssen wir alle gemeinsam was tun. Dazu möchte ich gerne meinen Beitrag leisten.

Im übrigen war es die SPD-Größe Herbert Wehner, die sich dafür einsetzte, dieses Jubiläum zum „Tag der deutschen Einheit“ zu erklären. Da ist auf verschiedenen Ebenen viel Wahres dran.

Nico: Corona hat uns alle lange beschäftigt und die Auswirkungen sind immer noch intensiv spürbar. Was hat sich im politischen Bereich für dich persönlich geändert?

Frank: Ich bin gelernter Einzelhandelskaufmann und hab später zur Erwachsenen-Bildung gewechselt. Das bedeutet, ich habe gerne direkten Kontakt zu Menschen, was durch Corona teilweise unmöglich gemacht wurde. Es hat einen Moment gedauert, aber nach kurzer Zeit bin ich mit meinen Teams in die digitale Kommunikation übergegangen, was auch fantastisch funktioniert. So ergeben sich beispielsweise auch ganz neue Wege.

Screenshot Jusos
Dargestellt ist ein Teil der digitalen Mitgliederversammlung der Jusos im Frühling. Ben Meisborn vom Jugendrat und Frank Piwecki waren in dem Moment als Gäste zugeschaltet.

Im Frühling konnte ich mich einfach mal spontan in die Mitgliederversammlung der Jusos reinschalten, um mir dort Impulse für meine Arbeit in Buchholz abzuholen. Das war eine spannende Diskussion, die ich da erleben durfte. So kriegt man tatsächlich noch mehr mit und das ist eine der positiven Sachen, die ich aus der ganzen Corona-Misere ziehen konnte.


Nico: Aber Corona hat natürlich auch negative Seiten.

Frank: Ja, natürlich. Neben den privaten und persönlichen Härten, die wir alle erleben mussten, kommen auf die Städte und Gemeinden noch einige Hürden zu. Die Gewerbesteuereinnahmen sind zwischenzeitlich massiv eingebrochen, die Einkommenssteuer, von der die Stadt Buchholz auch einen Teil bekommt, ebenso. Das heißt Geld ist knapp, aber trotzdem wollen wir unsere Stadt sozial und ökologisch weiterentwickeln. Das wird keine einfach Herausforderung, erst recht nicht, wenn einige Beteiligte sich nicht von Ihren Scheuklappen trennen können.

Nico: Wen meinst du da genau?

Frank: Lagerwahlkämpfe bringen uns nicht weiter, erst recht nicht auf kommunaler Ebene, wo wir uns tagtäglich über den Weg laufen. Nehmen wir als Beispiel die Entlastungsstrecke, die wir im Zuge von Buchholz 2025plus planen.

Da gibt es die eine Seite, die sich vehement gegen jeden Straßenbau ausspricht, und die andere Seite, die bereit ist mit allen - auch finanziellen – Mitteln auf Biegen und Brechen dort so viel Asphalt aufzutragen, wie es nur geht. Beides wird oft mit dem toten Begriff des „Ostrings“ verbunden, was Blödsinn ist, und beides bringt uns in der Diskussion nicht weiter. Wir brauchen eine praktikable und finanzierbare Lösung, die Buchholz ermöglicht, weiter zu wachsen und den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Dabei sollen natürlich möglichst wenig Flächen versiegelt werden.

Nico: Das ist jetzt schon die vierte Frage, aber was heißt das in deinen Planungen denn konkret?

Frank: Das heißt: Minimal notwendiger Straßenbau im Osten zur Verkehrsentlastung des Ortskerns und gleichzeitig Alternativen zum Individualverkehr, also zur Benutzung eines eigenen Autos. Außerdem: Effizienterer Busverkehr, attraktivere Fahrrad- und Fußgänger-Anbindungen, bessere Anbindung an den Zugverkehr. Es muss möglich sein, schnell von A nach B zu kommen, aber wir sind uns alle einig: Je weniger Autofahrten dazu notwendig sind, desto besser ist das.

Wie gesagt, das ist ein langfristiges Thema und kein Feld für Stimmungsmache, sondern für kernige Sachpolitik.