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Mobilitaetswende Foto: Finn Piwecki
Dargestellt ist Frank Piwecki neben einem O-Ton: "Wir werden keine Mobilitätswende schaffen, wenn wir die Menschen nicht mitnehmen."

12. August 2021: Drei-Fragen-Donnerstag - 12.08.

Nach einer kurzen Urlaubspause sind wir wieder da mit unserem wöchentlichen Interview.

Jede Woche stellt sich Frank Piwecki allen möglichen Fragen. Diesmal geht es um eine Entschuldigung.


Nico: Hallo Frank willkommen zurück! Hattest du einen schönen Urlaub?

Frank: Ja, das tat sehr gut und so eine Alpenwanderung zu Fuß gibt Kraft für die letzten Wochen des Wahlkampfes.

Nico: Apropos Wahlkampf, in deinem Urlaub ging ja eine Formulierung aus einem unserer Interviews viral. Dabei ging es darum, dass Verkehrskonzepte, die sich ausschließlich auf Fahrräder als Mobilitätskonzept fokussieren im Endeffekt nur funktionieren könnten, wenn man radikale Zwangsmethoden für den Radverkehr einführen würde.

Wie hast du die Kritik an dieser Formulierung empfunden?

Frank: Ich war natürlich erst mal überrascht, dass das jetzt nach fünf Wochen auftauchte, aber da sieht man mal, wie verschlungen manche Wege der Kommunikation sind. Wir haben uns jetzt im Team dafür entschieden diese Formulierung rauszunehmen, weil sie offensichtlich einer sachlichen Diskussion eher schadet als nützt. Das war eine unüberlegte Formulierung von mir und dafür entschuldige ich mich in aller Form.

Nico: Möchtest du erklären, in welchem Kontext diese Formulierung fiel?

Mobilitätsbaustein Automobil Foto: Finn Piwecki
Dargestellt ist Frank Piwecki neben einem O-Ton: "Auch der Autoverkehr muss als Mobilitätsbaustein so geregelt werden, dass er flüssig fließen kann."

Frank: Ja gerne. Mich erreichen wöchentlich zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern, nicht erst seit ich als Bürgermeister kandidiere, sondern seit Jahren schon. Ich bin Ansprechpartner vor Ort, ich führe sehr viele Gespräche per Mail, am Telefon, persönlich an der Haustür oder am Gartenzaun – auch mit Menschen, die mich oder meine Politik nicht mögen. Was aber immer wieder Thema ist, sind die teilweise miserablen Verkehrsverhältnisse in unserer Stadt: Mit dem Rad, zu Fuß, mit Bus und Bahn oder mit dem Auto.

Es ist zu bestimmten Kernzeiten unmöglich in Buchholz schnell und effizient mobil zu sein, weil die Stadt durch die Bahn geteilt wird und es neben einer zentralen Brücke nur einen schmalen Postkutschentunnel aus der Kaiserzeit gibt, um im Stadtkern von einer Seite auf die andere zu kommen. Hier bietet sich Radverkehr selbstverständlich an, um die Straßen zu entlasten. Außerdem benötigen wir Co-Working-Spaces, einen besseren Bus- und Bahnverkehr und vieles mehr, welches die SPD konzeptionell erarbeitet hat.

Lass mich dich mal ganz konkret etwas fragen:

Wenn die alleinerziehende Verkäuferin nach der Schicht aus Harburg kommt, um die Kinder von der KiTa abzuholen und dann zu spät bei der Einrichtung ankommt, weil es sich überall in der Stadt staut, hilft dann der Verweis, dass sie mit dem Rad nicht im Stau gestanden hätte?

Wenn der Kassierer, der keine bezahlbare Wohnung in Buchholz gefunden hat, jeden Tag 27,4 km nach Buchholz hineinpendelt und regelmäßig zu spät kommt, weil er nicht durchkommt, helfen dann Tipps zum Radfahren, um keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu erfahren?

Wenn die Kamerad:innen der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz gerufen werden und leider gerade privat auf der falschen Seite der Stadt sind, hilft dann die Bemerkung, dass die Straße ja frei wäre, wenn alle ANDEREN mit dem Rad fahren würden?

Da habe ich eine klare Antwort darauf: Auch der Autoverkehr muss als Mobilitätsbaustein so geregelt werden, dass er flüssig fließen kann.

Respekt für Pendler:innen Foto: Finn Piwecki
O-Ton-Darstellung: Mit ihren Steuern finanzieren Pendler:innen KiTas, ausgebaute Radwege, Schulsozialarbeit, Sportförderung und vieles mehr. So sollten sie auch behandelt werden. Diesen Menschen gebührt Respekt.

Letzten Montag gab es dazu an anderer Stelle eine Aussage, die eigentlich für sich spricht: „Und ja, wenn dann viele Pendler*innen durch Buchholz wollen, dann dauert es eben.“ (Quelle: https://www.facebook.com/diebuchholzergruenen/posts/1731451143720598)

Wir müssen dem Klimawandel entgegentreten, wir müssen die Verkehrswende schaffen, aber wenn man auf diese Weise gegenüber den Problemen auftritt, die unsere Mitmenschen Tag für Tag erleben, werden wir weder Veränderung schaffen, noch vernünftige Mehrheiten dafür finden.

In Buchholz leben viele Pendlerinnen und Pendler, die überall im Speckgürtel von Hamburg arbeiten. Sie fahren tagtäglich nach Stade, Buxtehude, Hamburg, Neu Wulmstorf, Winsen, Barsbüttel, Ahrensburg, um ihrer Arbeit nachzugehen und zahlen hier vor Ort Einkommenssteuer. Mit diesen Steuern finanzieren sie KiTas, ausgebaute Radwege, Schulsozialarbeit, Sportförderung und vieles mehr. So sollten sie auch behandelt werden.

Diese Menschen gebührt Respekt.

Mobilitaetswende Foto: Finn Piwecki
Dargestellt ist Frank Piwecki neben einem O-Ton: "Wir werden keine Mobilitätswende schaffen, wenn wir die Menschen nicht mitnehmen."

Über diese unterschiedlichen Sichtweisen habe ich seinerzeit mit meinem Team diskutiert. In dem Zusammenhang fiel dann auch die unsägliche und kritisierte Formulierung.

Ich entschuldige mich dafür, diese Formulierung gebraucht zu haben.

Wir wollen eine vernünftige Mobilitätswende schaffen, dies gelingt uns aber nur, wenn wir die Menschen auch mitnehmen. Das bedeutet Respekt mit den Beteiligten und den habe ich an dieser Stelle vermissen lassen.

Im übrigen stehe ich klar für bezahlbaren Wohnraum, klar zu Buchholz 2025plus und in dem Zuge zu einer Erschließungsstraße im Osten der Stadt, damit unsere Stadt angemessen wachsen kann.



Veränderung Foto: Finn Piwecki
O-Ton-Darstellung neben einem Bild von Frank Piwecki: "Wir müssen Veränderung schaffen und Mehrheiten finden."

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